Großes Interesse am AKA Export Finance Forum
Am 26. März fand in Frankfurt das dritte AKA Export Finance Forum statt. Im Fokus standen Lateinamerika und die Chancen des Mercosur-Abkommens für deutsche Exporteure. Mit mehr als 170 Gästen aus der Export-Finance-Community hat die Veranstaltung ihre Relevanz als Plattform für den fachlichen Austausch zu aktuellen Entwicklungen in der Exportfinanzierung erneut unterstrichen.
Zu den Impulsrednern des diesjährigen Forums gehörten Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, Botschafter der brasilianischen Delegation in Paris, Sarquis J. B. Sarquis und IMA-Vorsitzender Korbinian Wagner. Zwei Gesprächsrunden zu den Themen „ECAs als Partner in LATAM“ und „Praxiserfahrungen von Unternehmen auf dem Kontinent“ ergänzten das Programm um konkrete Perspektiven aus der Praxis.
Neue Weltlage erfordert neue Antworten
In seiner Begrüßung stellte der AKA CEO Marck Wengrzik die Leitfrage des Tages in den Mittelpunkt: Wie lassen sich in einer neuen Weltlage tragfähige Antworten für Exportwirtschaft und Außenwirtschaftsförderung entwickeln?
Seine Botschaft war klar: Die Anforderungen an Schnelligkeit, Wirksamkeit und Konsequenz im Handeln sind deutlich gestiegen. Gerade im internationalen Wettbewerb kommt es darauf an, Chancen frühzeitig zu erkennen und entschlossen zu nutzen. Vor diesem Hintergrund verwies Wengrzik auf die strategische Bedeutung der Außenwirtschaftsförderung. Wenn Deutschland international eine stärkere Rolle einnehmen will, muss Außenwirtschaftsförderung noch stärker als Instrument verstanden werden, das Trade ermöglicht und generiert. Gleichzeitig geht es auf operativer Ebene darum, Entscheidungsparameter zu reduzieren und Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen. Nur so kann Deutschland international wieder an Sichtbarkeit und Wirksamkeit gewinnen.
Freihandelsabkommen wie das EU-Australien-Abkommen und das Mercosur-Abkommen können dazu beitragen, neue Märkte zu erschließen und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Gerade in einem Umfeld wachsender geoökonomischer Konkurrenz gewinnen verlässliche Rahmenbedingungen und zügige Umsetzung zusätzlich an Bedeutung.
Orientierung in einem volatilen Umfeld
Carsten Brzeski (Global Head of Macro Research und Chefvolkswirt, ING Deutschland), beschrieb in seinem Morning Briefing die hohe Dynamik im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld. Die Halbwertszeit volkswirtschaftlicher Szenarien habe sich deutlich verkürzt, belastbare Prognosen seien zunehmend schwieriger zu treffen. Externe Krisen und geopolitische Verwerfungen veränderten die Ausgangslage in immer kürzeren Abständen. Das erhöhe den Handlungsdruck für Unternehmen, Finanzierer und wirtschaftspolitische Akteure gleichermaßen.
Brzeskis Analyse machte deutlich: Europa steht vor der Aufgabe, wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit zu stärken und zugleich zentrale Zukunftsthemen mit Nachdruck voranzutreiben. Dazu zählen Investitionen, KI-Strategien und der Umgang mit Energieabhängigkeiten.
Europa kann Handelsbeziehungen gestalten, muss aber seine Umsetzungsgeschwindigkeit erhöhen.
Lateinamerika als Partner mit erheblichem Potenzial
Dr. Michael Stopfkuchen, Head of Export & Agency Finance der AKA, führte durch das weitere Programm und leitete zu einer stärker regionalen Perspektive über. Mit Sarquis J. B. Sarquis, Botschafter Brasiliens bei der OECD und anderen internationalen Wirtschaftsorganisationen in Paris, begrüßte er einen wichtigen Impulsgeber für Handels- und Wirtschaftspartnerschaften zwischen Europa und Lateinamerika. In seinem Beitrag „Brazil, South & Latin America prospects & partnerships with Europe“ hob Sarquis die Bedeutung gemeinsamer Werte als Grundlage für eine engere wirtschaftliche Verflechtung hervor.
Kooperationen mit Brasilien und anderen Ländern Südamerikas seien nicht nur wirtschaftlich relevant. Sie könnten auch Reformen, Modernisierung und die Stärkung internationaler Standards unterstützen. Nachhaltigkeit und Handel seien dabei eng miteinander verbunden. Zugleich verwies Sarquis auf das erhebliche Entwicklungspotenzial der Region. Investitionen in Infrastruktur, Diversifizierung und produktivitätssteigernde Maßnahmen könnten Südamerika und Brasilien weiter stärken. Als wesentlichen Standortvorteil hob er die Energieunabhängigkeit der Region hervor.
Verlässlichkeit und Umsetzung bleiben zentrale Stärken deutscher Finanzierung
Korbinian Wagner (Leiter Referat Exportfinanzierung, Exportkreditgarantien, strategische Auslandsprojekte beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) würdigte die Exportfinanzindustrie als engagierte und leistungsfähige Community. Zugleich betonte er, dass die geoökonomische Lage für Unternehmen herausfordernd bleibe und Verlässlichkeit sowie zügige Umsetzung wirtschaftspolitischer Maßnahmen weiter an Bedeutung gewännen.
Er verwies auf erste Maßnahmen wie die Senkung der Strom- und der Körperschaftssteuer. Darüber hinaus benannte er zentrale Handlungsfelder: die Umsetzung weiterer außenwirtschaftlicher Maßnahmen, die Etablierung einer verlässlichen Praxis sowie die Implementierung von Shopping Lines und Wertschöpfungsketten.
In den LATAM-Ländern sieht Wagner Partner auf Basis gemeinsamer Werte und mit erheblichem wirtschaftlichem Potenzial.
Praxisdialog I: ECAs als verlässliche Partner in LATAM
Am Nachmittag rückte die praktische Perspektive noch stärker in den Vordergrund. Annette Seip, Team Head Export Finance der AKA, moderierte das Panel „Lateinamerika im Aufbruch – ECAs als verlässliche Partner“.
Mit Yvonne Pusch (Chief Financial Officer, SERV), Thomas Baum (Head of Division Risk Underwriting & Risk Management, Euler Hermes) und Reiner Dreo (Senior Director, International Business Development, OeKB) diskutierte sie Rahmenbedingungen, Marktpotenziale und konkrete Instrumente für europäische Exporteure in der Region. Dabei wurde deutlich, dass Lateinamerika je nach Markt sehr unterschiedliche Voraussetzungen mitbringt. Die Rolle regionaler Banken, das Volumen bisheriger Transaktionen, die Nutzung multilateraler Strukturen und die Frage der Diversifizierung auf Unternehmensseite standen dabei im Mittelpunkt. Zugleich unterstrichen die Gesprächsteilnehmer, dass Deckungsangebote und Instrumente bereits vorhanden sind, ihre Sichtbarkeit und Nutzung jedoch weiter gestärkt werden können.
Auch der internationale Wettbewerb war Thema des Panels. Instrumente wie die Shopping Line wurden als Möglichkeit beschrieben, Marktpräsenz zu schaffen und frühzeitig Zugang zu Projekten zu gewinnen. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden ein niedrigschwelliger Zugang zu Finanzierungsinstrumenten, stärkere Unterstützung für Unternehmen sowie lokale Präsenz in den Märkten genannt.
Praxisdialog II: Unternehmensperspektiven aus Lateinamerika
Im zweiten Panel sprach Timo Prekop (Vice President Export Finance, AKA) mit Elter Nehemias Barbosa (Konsul und Leiter Handels- und Investitionsförderung, Generalkonsulat von Brasilien in Frankfurt), Orlando Baquero (Hauptgeschäftsführer, Lateinamerika Verein), Leandro Fernandez (Geschäftsführer, INZAG Germany) und Marina Volk (Prokuristin und Kaufmännische Leitung, Wasserkraft Volk) über regionale Herausforderungen, Markterfahrungen und wirtschaftliche Spezifika in Lateinamerika.
Zu Beginn stellte Prekop das Potenzial der Region anhand zentraler Kennzahlen heraus: Mit mehr als 660 Millionen Menschen ist Lateinamerika ein bedeutender Wachstumsmarkt. Gleichzeitig ist die Region im deutschen Export- und Investitionskontext bislang noch unterproportional vertreten. Daraus ergeben sich substanzielle Chancen für eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die Diskussion verdeutlichte, dass deutsche Unternehmen in der Region weiterhin von ihrer Qualitätsreputation profitieren. Gleichzeitig nehmen Wettbewerbsdruck, Preissensitivität und die Bedeutung lokaler Marktkenntnis weiter zu.
Die Beiträge aus Unternehmens- und Verbandsperspektive unterstrichen, dass belastbare Netzwerke, lokale Partnerschaften und ein differenziertes Verständnis der jeweiligen Länder entscheidende Voraussetzungen für nachhaltigen Markterfolg sind.
Erfolgsfaktoren für Markteintritt in Lateinamerika: Marktnähe, Partnerschaften und Tempo
Ein wesentliches Ergebnis des Nachmittags war die hohe Relevanz lokaler Strukturen. Erfolgreiches Engagement in Lateinamerika setzt Präsenz, Partnerschaften und Ausdauer voraus. Unterstützungsangebote, wie etwa durch den Lateinamerika Verein e. V., Euler Hermes oder die AHKs, können dabei wichtige Anknüpfungspunkte schaffen.
Ebenso deutlich wurde, dass Unternehmen Chancen in der Region aktiv und frühzeitig adressieren müssen. Das Mercosur-Abkommen wurde in diesem Zusammenhang als wichtiger Rahmen für eine vertiefte wirtschaftliche Zusammenarbeit eingeordnet. Seine Wirkung wird sich schrittweise entfalten, seine strategische Bedeutung ist jedoch schon heute erkennbar.
Die zentralen Botschaften des Tages
Das AKA Export Finance Forum hat gezeigt, dass Lateinamerika für deutsche Exporteure wirtschaftlich und strategisch an Bedeutung gewinnt. Ebenso deutlich wurde, dass geoökonomische Veränderungen neue Anforderungen an Politik, Finanzierungspartner und Unternehmen stellen. Handlungsfähigkeit, Verlässlichkeit, Geschwindigkeit und internationale Partnerschaften sind zentrale Voraussetzungen, um neue Marktchancen erfolgreich zu nutzen.